ÖVG – Jour Fixe

Einladung zum

ÖVG Vortrag von Kathleen Höll

Staatliche Gewalt durch Krieg und Rüstungsindustrie - heute noch eine Normalität?

Donnerstag, 27. September 2018, 19.30 im
Depot, 1070 Wien, Breite Gasse 3 .

Die Ausgangsfragen sind:
Verhindern die übliche Darstellung von Krieg als quasi „normal“ und die staatliche Kooperation mit Waffenerzeugern und -händlern die öffentliche Wahrnehmung des Krieges als humaner Skandal? Bleiben so die ökonomischen und Macht-Interessen unserer angeblich an den Menschenrechten orientierten Staaten im Hintergrund? Wird damit einem stärkeren Widerstand der Bevölkerung vorgebaut?

Durchführung:
Der Einführung ins Thema dienen Überlegungen, die bereits von Lore Perls und Paul Goodman angestellt wurden. Als Analyseinstrument zur weiteren Vertiefung wird das gestaltpsychologische „Prägnanzgesetz“ vorgestellt. Dieses dient der Durchleuchtung und Bewertung verschiedenster Ansätze in Philosophie und Sozialwissenschaft. Hier wird nach prägnanten Definitionen des Krieges gefragt, die einer Bewältigung nützlich sein können. So weit es zu nicht befriedigenden Definitionen kommt, wird nach möglichen Ursachen gefragt. Zur Diskussion gestellt werden auch Religion und Ideologie als die ältesten Rechtfertigungsgebilde für Kriege und Gewaltanwendung.
Die Untersuchung wird auf Gewaltanwendung allgemein erweitert, Gewalt als Gegenpol zu Macht herausgearbeitet. Betrügerische Handlungen werden ebenfalls als Gewaltanwendung verstanden. Jede Art von Gewaltanwendung kann letztlich als Missbrauch anderer verstanden werden. So zeigt sich Krieg letztlich als Missbrauch von anderen Menschen und deren Arbeitsleistung unter der Prämisse, sie gegebenenfalls zu vernichten.
Als Gegenpol dazu wird, im Sinne von Hannah Arendt, Machtausübung im Sinne von Zusammenarbeit beschrieben.

Abschließende Überlegungen:
Nach welchen Grundsätzen leben wir eigentlich? Welche sind wirksam? Der Neoliberalismus kommt zur Sprache, der Raubtier-Liberalismus von Milton Friedman und Co, der unter dem Motto der Freiheit des Individuums das Recht der Stärksten propagiert, die Schwächsten zu benutzen oder zu opfern. Beruhend auf dem archaischen kollektiven Unterbewusstsein, welches tradiert, dass letztlich die Gruppe davon profitiert, wenn den Letzten die Hunde beißen.
Die Aufklärung über „die Banalität des Bösen“ (nach Hannah Arendt) muss weiterführen zur Aufklärung über die „Banalität des Dummen“ als derjenigen „Weltmacht, die seit Jahrtausenden Bestand hat“, trotz vieler hoffnungsvoller Ansätze. Sie beruht auf kollektiven Denkschwächen, die dann politisch wirksam werden können, wenn ein Thema bis zur Unkenntlichkeit verallgemeinert worden ist, wenn die Figur mit dem Hintergrund verschwimmt, gestaltpsychologisch gesprochen. Besonders betrifft das die Regierungskunst, die seit viertausend Jahren auf der Stelle trete, so John Adams im 18. Jahrhundert.
Als Gestalttherapeuten fordert uns das heraus, von der Betrachtung einzelner Menschen weiter zu gehen zu kollektiven Befunden, und zumindest einen kleinen Teil jener Mythen zu überwinden, die heute noch den Blick auf Realitäten verstellen.


Kathleen Höll, MA. Gestalttherapeutin in Wien, Vorstandsmitglied der ÖVG, Studium der Politikwissenschaft und Soziologie, ehem. Lehrtherapeutin, Autorin zahlreicher Artikel zum Thema Gesellschaft und Theorie der Gestalttherapie.

Kürzlich erschienene Artikel:

Zu den Sachen selbst! Aber wie? Gestalttherapie und Phänomenologie heute. In: Gestalttherapie, Forum für Gestaltperspektiven 1 /2018, 65-83
Die Gestalt des Selbst in der Gestalttherapie. Ein Vorschlag zur Neuordnung der Theorie insgesamt. In: Gestalttherapie Forum für Gestaltperspektiven 1/2017, 46-67
Dialogizität und dialogischer Ansatz. Eine kritische Betrachtung postmoderner Ansätze in der Gestalttherapie. In: Gestalttherapie Forum für Gestaltperspektiven 1/2016, 23-40.
Friedlaenders Philosophie – Magie als Ermächtigung des Ich. In: Frambach, L. /Thiel, D. (Hg) (2015): Fiedlaender/ Mynona und die Gestalttherapie. Das Prinzip „Schöpferische Indifferenz“. Bergisch Gladbach: EHP



Einladung zum

GESTALT - FORUM

Die ÖVG – Österreichische Vereinigung für Gestalttherapie - die anerkannte Nationale Organisation in der Europäischen Vereinigung für Gestalttherapie – möchte die Möglichkeit zu einer breiten Diskussion unter GestalttherapeutInnen über Institutsgrenzen hinweg schaffen. Wir stellen uns ein öffentliches Forum vor, das die Möglichkeit bietet AbsolventInnen und KandidatInnen verschiedener Institute vertieft kennen zu lernen.
Inhaltlich geht es uns um einen fortlaufenden Diskussionsprozess von Themen, die zum aktuellen Zeitpunkt als relevant empfunden werden. Und zwar sowohl für die Praxis im engeren Sinne als auch für die Passung von Praxis, Leben und politischen Verhältnissen.

Nächstes Treffen:

Mittwoch, 26. September 2018, 20:15

Ort: Bibliotheksraum Esterhazygasse 27/7
(Dieser befindet sich ganz hinten im Hof des Hauses rechts.)

Thema: Wir lesen und diskutieren:

Die Kombination von Gestalttherapie und psychiatrischer Behandlung von jan Roubal und Elena Krikova

7. Kapitel aus dem Buch: Gestalttherapie in der klinischen Praxis von Gianni Francesetti, Michela Gecele und Jan Roubal.

Organisation und Kontakt:

Egon Urban,
egon.urban@oevg-gestalt.at

Wir bitten, wenn möglich, um Anmeldung.



Einladung zum

ÖVG Vortrag von Nancy Amendt-Lyon

„Die Grenzen der Gestalttherapie und des Vorstellungsvermögens.
Hermann Schmitz‘ ‚Neue-Phänomenologie‘ und ‚Adolf Hitler in der Geschichte‘“

Donnerstag, 8. November 2018, 19.30 im
Verein PASS, Alserstraße 24, 1090 Wien, läuten bei „Gruppenraum“!

Nancy Amendt-Lyon setzt sich mit den Versuchen auseinander, die „Neue Phänomenologie“ als unverzichtbaren Bestandteil oder zumindest als Verbesserung der Gestalttherapietheorie zu übernehmen. Hermann Schmitz‘ Begrifflichkeiten werden mit Kernkonzepten der Gestalttherapietheorie verglichen und für inkompatibel gefunden. Das Gedankengut in Schmitz‘ Buch über Adolf Hitler, das ein erschreckendes Resümee ergibt, widerspiegelt seine Ideen über die "Neue Phänomenologie". Amendt-Lyon bietet einen Überblick über die Kritik an Schmitz, sowohl von Gestalttherapeuten wie auch von Philosophen, und plädiert für eine Weiterentwicklung der Gestalttherapietheorie mit methodeneigenen Begrifflichkeiten.

Nach einem Überblick zum Thema haben wir als Gestalt Community die Gelegenheit, anhand der empfohlenen Texte gemeinsam zu diskutieren. Alle drei Texte sind in der Zeitschrift Gestalttherapie: Forum für Gestaltperspektiven erschienen. Es wird empfohlen, diese Texte vorher zu lesen.

Empfohlene Texte:
Amendt-Lyon, N. (2017) Die Grenzen der Gestalttherapie und des Vorstellungsvermögens. Hermann Schmitz' "Neue Phänomenologie" und "Adolf Hitler in der Geschichte". In: Gestalttherapie. Zeitschrift für Gestaltperspektiven 31(2): 98-110.
Gutjahr, L., (2016) Ohne Hausmacht - Fragen an die Neue Phänomenologie. In: Gestalttherapie. Forum für Gestaltperspektiven 30(2):101-122.
Matthies, F. (2013) Leibliche Kommunikation - Grundlage des wechselseitigen Verstehens. In: Gestalttherapie. Forum für Gestaltperspektiven 27(2): 77-95.